Erste Hilfe in der Schule in Togo: sollten zuerst Schüler oder Lehrkräfte geschult werden – und worauf kommt es an?

Erste Hilfe in der Schule in Togo: sollten zuerst Schüler oder Lehrkräfte geschult werden – und worauf kommt es an?

Unfall im Klassenzimmer: Wer muss zuerst handeln können? Schüler:innen oder Aufsichtspersonen – die Hintergründe und die wirksamste Priorität.

Betfrika Team
6 Min. gelesen

Unfall im Klassenzimmer: Wer muss zuerst handeln können? Schüler:innen oder Aufsichtspersonen – die Hintergründe und die wirksamste Priorität.

Unfall im Klassenzimmer: Wer muss zuerst handeln können? Schüler:innen oder Aufsichtspersonen – die Hintergründe und die wirksamste Priorität für Erste Hilfe in der Schule in Togo.

Auf dem Pausenhof einer Grundschule in Lomé bricht ein Kind plötzlich zusammen. Mitschüler schreien, geraten in Panik, rennen durcheinander. Lehrkräfte eilen herbei, aber niemand weiß genau, was zu tun ist. Die Minuten verstreichen – kostbar, unwiederbringlich. Dieses Szenario ist leider nicht selten. In Togo wie anderswo können Kinderleben in Sekunden kippen, nur weil niemand auf eine richtige Reaktion vorbereitet ist.

Damit stellt sich eine entscheidende Frage: Wer sollte in unseren Schulen in Erster Hilfe geschult werden? Die Schüler:innen selbst oder die Erwachsenen, die sie betreuen?

Das geht weit über eine pädagogische Debatte hinaus. Es betrifft die Sicherheit der Kinder, die Verantwortung der Erwachsenen und die Fähigkeit einer Schulgemeinschaft, ihre verletzlichsten Mitglieder zu schützen. Weltweit existieren verschiedene Ansätze. Manche Organisationen, etwa das Rote Kreuz, setzen darauf, Gruppen von Schüler:innen auszubilden, um kleine Nachwuchsretter in den Schulen zu haben. Andere, wie Betfrika e.V., sind überzeugt, dass die oberste Priorität bei der Schulung der Lehrkräfte und des pädagogischen Personals liegt. Beide Sichtweisen zu betrachten, zeigt, was in der Praxis funktioniert.

Um die Dringlichkeit zu verstehen, muss man die Realität von Schulunfällen sehen. In togolesischen Schulen zählt jede Minute, wie Kofis Asthmakrise deutlich macht. Ein Kind kann ersticken, ein anderes heftig stürzen – ohne die richtigen Handgriffe oder Material kann die Lage tragisch werden.

Diese Situationen sind nicht außergewöhnlich. Sie passieren überall. Den Unterschied macht nicht Glück, sondern die Präsenz geschulter Personen und passender Ausrüstung. In mehreren Ländern ist das inzwischen verankert. In Frankreich zum Beispiel sind Erste-Hilfe-Training und Sensibilisierung im Schulweg verankert und im beruflichen Rahmen des pädagogischen Personals. In Togo fehlt diese Systematik noch weitgehend, Schulen sind im Notfall oft schutzlos.

Vor Ort sieht das Betfrika-Team das Gleiche: Lehrkräfte stehen bei kritischen Situationen oft allein da – ohne Ausbildung, ohne funktionsfähige Erste-Hilfe-Box, nur mit Instinkt. Improvisation ist in der Ersten Hilfe gefährlich. Ein falscher Griff kann den Zustand verschlimmern, Zögern kann tödlich sein.

Schüler:innen in Erste Hilfe zu schulen, wirkt ideal. Es stärkt die Kinder, fördert Verantwortungsgefühl und gegenseitige Hilfe. Spielerische Programme zeigen, dass Kinder früh lernen können, Gefahr zu erkennen, Hilfe zu rufen und Schutzverhalten anzunehmen.

Außerhalb der Theorie zeigt dieser Ansatz jedoch schnell Grenzen. Ein Kind bleibt ein Kind, auch wenn es geschult ist. Bei einem bewusstlosen Mitschüler, starker Blutung oder schwerer Atemnot kann die emotionale Belastung lähmen. Angst, etwas falsch zu machen, Schock oder Panik können wirksames Handeln verhindern.

Hinzu kommt das Problem der Kontinuität. Schüler:innen wechseln jedes Jahr. Sie werden älter, verlassen die Schule und nehmen ihre Kenntnisse mit. Nur Schüler zu schulen, schafft eine fragile, lückenhafte Kette der Hilfe. Und eine grundlegende Frage bleibt: Können wir das Leben eines Kindes vernünftigerweise einem anderen Kind anvertrauen? Vor Ort ist die Antwort oft klar.

Lehrkräfte und pädagogisches Personal zu schulen, ist kein Luxus und keine zweite Option. Es ist notwendig. Erwachsene sind das ganze Jahr präsent, kennen die Kinder – ihre Schwächen und Vorgeschichten – und tragen die rechtliche wie moralische Verantwortung für deren Sicherheit. Anders als Kinder haben sie die emotionale Reife, Autorität und Stabilität, schnell zu handeln und Hilfe zu koordinieren.

Im Projekt FAS (First Aid Skills) vertritt Betfrika eine einfache Idee: Eine geschulte, ausgestattete, selbstsichere erwachsene Person kann den Unterschied machen zwischen einem beherrschten Vorfall und einer unumkehrbaren Tragödie. Eine Lehrkraft zu schulen, schafft eine dauerhafte Ansprechperson in der Schule. Ein Team zu schulen, verankert eine Präventionskultur, in der man nicht erst im Notfall überlegt, was zu tun ist.

Das FAS-Projekt stellt sich nicht gegen die Schulung von Schüler:innen. Im Gegenteil, es erkennt ihren pädagogischen und bürgerlichen Wert an. Es setzt aber eine klare Hierarchie im Ernstfall: Priorität hat die Schulung von Lehrkräften und Schulpersonal in Erster Hilfe, angepasst an lokale Gegebenheiten. Gleichzeitig müssen Schulen mit wirklich funktionalen Erste-Hilfe-Kästen ausgestattet sein, zugänglich und verstanden von denen, die sie nutzen. Schüler:innen sollen parallel altersgerecht sensibilisiert werden, damit sie alarmieren, schützen und richtige Reflexe zeigen, ohne Verantwortung zu tragen, die ihnen nicht zukommt.

Wenn Sie an dieser konkreten Aufgabe mitwirken möchten, entdecken Sie unser internationales Freiwilligenprogramm.

So entsteht in der Schule eine stimmige Rettungskette: Kinder alarmieren, Erwachsene handeln, die Institution übernimmt voll ihre Schutzaufgabe.

Die Antwort ist einfacher, als sie scheint. Es geht nicht darum, zwischen beiden zu wählen, sondern sie nicht auf die gleiche Verantwortungsebene zu stellen. Schüler auszubilden, ohne Erwachsene zu schulen, erzeugt eine Scheinsicherheit. Erwachsene zu schulen, garantiert, dass jederzeit jemand weiß, was zu tun ist, wie und mit welchen Mitteln.

Jede Minute zählt. Jede nicht geschulte Schule ist ein vermeidbares Risiko. Jede Lehrkraft ohne Werkzeug ist eine nicht übernommene kollektive Verantwortung. Das Projekt FAS (First Aid Skills) will keine Held:innen erschaffen, sondern Tragödien verhindern, die nicht passieren sollten.

Denn wenn morgen auf einem Schulhof wieder ein Kind zusammenbricht, wird die Frage nicht mehr sein, wer hätte geschult werden müssen, sondern warum niemand es war.

Betfrika Team

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2. Jan. 2025