Schulsicherheit in Togo: Dringlichkeit & Lösungen

Schulsicherheit in Togo: Dringlichkeit & Lösungen

Ein Asthmaanfall im Unterricht reicht: Ohne Gesten oder Notfallbox zählt jede Minute. Warum Schulerste Hilfe in Togo Priorität werden muss.

Betfrika Team
7 Min. gelesen

Ein Asthmaanfall im Unterricht reicht: Ohne Gesten oder Notfallbox zählt jede Minute. Warum Schulerste Hilfe in Togo Priorität werden muss.

Ein Asthmaanfall im Unterricht reicht: Ohne Gesten oder Notfallbox zählt jede Minute. Warum Schulerste Hilfe in Togo Priorität werden muss.

An diesem Morgen in einer 5. Klasse in Lomé wirkte alles normal. Die Kinder trugen Geografie vor, ein Ventilator bewegte die heiße Luft der Trockenzeit, Madame Akossiwa schrieb an die Tafel. Dann plötzlich ein kurzer Atemzug. Ein Pfeifen. Kofi in der dritten Reihe greift sich an die Brust, die Augen weit aufgerissen. Seine Mitschüler drehen sich zu ihm. Die Lehrerin auch. Aber niemand versteht, was passiert. Kofi hat einen Asthmaanfall, und in dieser Schule – wie in so vielen in Togo – gab es weder Ventoline noch Erste-Hilfe-Box noch eine Schulung, um die Notlage zu bewältigen.

Diese Geschichte ist kein Einzelfall. Madame Joana und Monsieur Tamélokpo haben ihre schmerzhaften Erfahrungen geteilt: Madame Joana verlor ihr Kind nach einem Asthmaanfall in der Schule wegen fehlender Ventoline, Monsieur Tamélokpo verlor seines nach einer Blutung infolge eines Treppensturzes. Diese Fälle zeigen die Risiken, denen Schüler:innen durch fehlendes Erste-Hilfe-Wissen in togolesischen Schulen ausgesetzt sind.

In togolesischen Schulen trifft medizinische Not oft ohne Vorwarnung – im Unterricht, in der Pause, auf einem Ausflug. Ein Kind verschluckt sich an einem Stück Obst. Ein anderes stürzt im Hof und verletzt den Kopf. Ein asthmatisches Mädchen beginnt zu ersticken, die Lippen werden blau. Solche Alltagssituationen werden dramatisch, wenn niemand lebensrettende Gesten kennt. Die Schule ist ein Ort mit vielen Risiken: Interaktionen, Unbekümmertheit, viele Kinder bei körperlichen Aktivitäten. Treppen, Flure, Klassenräume, der Hof, Labore, Toiletten und Sportflächen sind die häufigsten Unfallorte.

Das togolesische Schulwesen wurde in den letzten Jahren von tragischen Unfällen erschüttert. Am 27. September 2023 stürzte an der Grundschule N’Gobo in Blitta (Region Centre) eine Klassenwand kurz nach Schulbeginn ein und tötete zwei Schüler – ein sechsjähriges Mädchen und einen siebenjährigen Jungen. Die Lehrkraft wurde schwer verletzt. Ein weiteres Beispiel: Ein junges Mädchen wäre an der EPL ECHO DU SAVOIR fast gestorben, nachdem ein Asthmaanfall unbehandelt blieb.

Es geht nicht um Fahrlässigkeit. Togolesische Lehrkräfte sind engagiert, aufmerksam, fürsorglich. Aber sie wurden nie in Erster Hilfe geschult. Sie haben nie gelernt, einen Asthmaanfall zu erkennen, eine Herzdruckmassage durchzuführen, ein Kind in die stabile Seitenlage zu bringen, eine Blutung zu stoppen oder bei einer Atemwegsverlegung zu handeln. Und selbst wenn das Wissen da wäre, fehlt in den meisten Schulen die Ausstattung: kein Erste-Hilfe-Kasten, kein Ersatzinhalator, keine ausgehängte Notrufnummer, kein klares Protokoll.

Das Bild ist alarmierend. In über 96 % der Schulen Westafrikas gibt es weder Erste-Hilfe-Material noch passende Schulungen für Lehrkräfte. In öffentlichen wie privaten Schulen in Togo sind Ressourcen für Erste Hilfe nahezu nicht vorhanden. Besonders verletzlich sind ländliche Schulen: Krankenstationen liegen oft Kilometer entfernt, Straßen sind schlecht, Kommunikation eingeschränkt. Wenn eine Notlage eintritt, kann das Warten auf einen Rettungswagen oder der Transport des Kindes tödlich sein.

Zum Glück beginnen einige Initiativen, etwas zu verändern. Das Lycée Français de Lomé bietet „Gestes qui sauvent“-Einheiten für die 7. Klasse und zertifizierte Erste-Hilfe-Kurse für die 9. Klasse an und erreicht damit alle Schüler:innen von Klasse 7 bis 12. ASTOVOT Togo hat in Kpalimé 2.000 Gymnasiast:innen, 200 Motorradtaxifahrer und 40 Lehrkräfte in Schlüsselgesten wie Herzdruckmassage, stabile Seitenlage und Unfallmanagement geschult. Das Togolesische Rote Kreuz bildet seine Freiwilligen regelmäßig in Basis-Erster-Hilfe aus, um die Reaktionsfähigkeit der Gemeinschaft zu stärken.

Angesichts dieses dringenden Bedarfs hat Betfrika das Projekt First Aid Skills gestartet, um Lehrkräfte und Schüler:innen in Erster Hilfe zu schulen und togolesische Schulen mit funktionierenden Kästen auszustatten. Das Projekt läuft in dreimonatigen Trainingswellen, zweimal pro Jahr. Bisher wurden 60 Schulen erreicht, 153 Erste-Hilfe-Boxen verteilt und 1.200 Lehrkräfte vollständig geschult. Das Programm bietet auch Medizinstudierenden die Möglichkeit, sich als Freiwillige einzubringen. Wie wir festlegen, wer zuerst geschult werden sollte, erfahren Sie in unserem Beitrag zu Erste Hilfe an Schulen in Togo.

Simon, Grundschullehrer in Lomé, berichtet: „Das FAS-Projekt adressiert ein dringendes Problem. Vor dieser Schulung hatte ich keinerlei Erste-Hilfe-Kurs besucht.

Die häufigsten Notfälle im Schulalltag sind Wunden, Fremdkörper, Verbrennungen, Lebensmittelvergiftungen, Stromschläge und Tierbisse in Schulen außerhalb der Städte. Einfache Gesten wie ein Kind in die stabile Seitenlage bringen, eine Wunde richtig komprimieren oder die Zeichen eines Schocks erkennen, können über Leben und Tod entscheiden. Laut Internationalem Komitee vom Roten Kreuz ist Erste Hilfe in der Schule ein wesentliches Werkzeug, das Leben rettet, besonders dort, wo der Zugang zur Notfallversorgung begrenzt ist.

Die Zeit zwischen Unfall oder Krise und dem Eintreffen medizinischer Hilfe kann über Leben und Tod entscheiden. Wäre Kofis Schule ausgestattet und geschult gewesen, hätte die Lehrkraft Bewusstsein und Atmung geprüft und die Schwere eingeschätzt. Die Rettung wäre sofort mit genauen Informationen gerufen worden. Sauberes, passendes Material hätte ein richtiges Eingreifen ermöglicht. Bis zum Eintreffen der Hilfe hätten die richtigen Gesten den Zustand stabilisieren können.

Jeden Tag sind Schüler:innen wie Kofi vermeidbaren Risiken ausgesetzt. Es geht nicht nur darum, auf eine Notlage zu reagieren, sondern eine Generation aufzubauen, die handeln kann. Ein heute geschulter Schüler wird morgen ein fähiger Erwachsener – im Unterricht, im Bus, auf der Straße, auf dem Markt. Dieses „Future Generation“-Prinzip sollte die Schulerste Hilfe leiten: früh lernen, wiederholen, die richtigen Reflexe normalisieren und Schulen ausstatten, damit die Gesten wirklich umgesetzt werden können. Eine Lehrkraft schulen, eine Schule ausstatten, ein simples Protokoll aushängen – das sind konkrete Entscheidungen, die Panik in Handlung verwandeln.

Betfrika trägt diese Ambition durch das FAS-Programm, schult Lehrkräfte und Schüler:innen und stellt angepasste Erste-Hilfe-Kästen bereit. Um Schule und Öffentlichkeit in der Rettungskette zu verbinden, lesen Sie auch Erste Hilfe auf der Straße: die Geschichte eines heftigen Asthmaanfalls und der Gesten, die den Unterschied machen. Wenn Sie Elternteil sind, fragen Sie die Schule, ob es eine Box gibt und ob eine erwachsene Person geschult ist. Wenn Sie Lehrkraft oder Schulleitung sind, schlagen Sie eine Schulung vor und benennen Sie eine Erste-Hilfe-Ansprechperson. Und wenn Sie FAS unterstützen möchten, helfen Sie mit Spenden, Material oder Freiwilligenarbeit. Schüler:innen zu schützen ist keine Option – es ist eine gemeinsame Verantwortung.

Betfrika Team

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2. Jan. 2025